Teneriffa 2020
Nun endlich auf mal auf die größte der Kanarischen Inseln
Die Kanaren sind uns eigentlich recht vertraut. Nicht aber Teneriffa. Wir waren im Laufe der Jahre fünfmal auf Lanzarote, dreimal auf La Palma und einmal auf Gomera. Aber nicht auf Teneriffa - jedenfalls nicht wirklich, sondern nur eine Nacht vor der Fahrt mit der Fähre nach Gomera und nochmal eine danach in einer der Bettenburgen unweit des Fährhafens. Was wir seinerzeit von Los Christianos und Las Americas an Eindrücken mitgenommen hatten, war so nachhaltig, dass wir dorthin so schnell nicht wieder wollten.

Nun also doch im Januar 2020 Landung auf Teneriffa, zweiundzwanzig Jahre später. Für unsere Teilüberwinterung hatten wir nach einigem Suchen ein ausgesprochen ruhiges Fleckchen an der Südostküste Teneriffas gefunden.

Porís de Abona
Der unmittelbare Küstenstreifen im Südosten Teneriffas ist landschaftlich gesehen eigentlich nicht besonders attraktiv. Nur das härteste Gestrüpp überlebt in dieser unwirtlichen, zerfurchten Steppe. Und doch gibt es seit weit über hundert Jahren kleine Ansiedlungen, in denen sich die Tinerfeños, die Einheimischen, niedergelassen haben. Vom Beginn des Massentourismus in den 70er Jahren und dem gewaltigen Bauboom im Süden Teneriffas verschont, sind diese Ansiedlungen bald von Ruhe suchenden Urlaubern entdeckt worden und an mehreren dieser Orte sind Ferienhäuser und Ferienhausanlagen entstanden, die dem Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung der Urlauber gerecht wurden.
Einer dieser Orte ist Porís, der sich weit entfernt von Flug- und Straßenlärm aus einem alten Fischerdorf zu einem schmucken Ferienort entwickelt hat. Es sind überwiegend Eigentums-Ferienwohnungen, die hier entstanden sind, u.a. auch in der weitläufigen Anlage "Club Casa Blanca", in der wir uns für ein paar Wochen in ein Studio mit Blick auf Meer und gepflegte Anlage mit Gemeinschaftspool eingemietet haben. Kleine, sehr attraktive Anlagen mit begrenzter Anzahl geschmackvoller Ferienhäuser sind in den vergangenen Jahren hinzu gekommen.

Von Poris entlang der Südostküste
Erst der Bau der Autobahn zwischen dem Flughafen Teneriffa Süd und der Hauptstadt Santa Cruz hat die kleinen Küstenorte der südöstlichen Teneriffa-Region Abona wirklich zugänglich gemacht, auch Poris. Davor zog sich der Verkehr mühsam über eine extrem kurvenreiche Straße auf halber Höhe hin. Heute gibt es zu den kleinen Orten an der Küste einzelne Stich- und Verbindungsstraßen von der Autobahn aus. Wir haben einige dieser Orte bis hin zum Flughafen aufgesucht.

Über die Höhenstraße zum Teide
Mehrere tausend Meter ist Teneriffa durch vulkanische Aktivität im Laufe der jüngeren Erdgeschichte aus dem Meer gewachsen. Am Nordrand der riesigen Caldera de las Cañadas, eines Einsturzkraters von 17 km Durchmesser, erhebt sich der Pico del Teide. Er ist mit 3718 m der höchste Berg Spaniens und gleichzeitig mit rund 7500 m Höhe über dem Meeresboden der dritthöchste Inselvulkan der Erde. Sein letzter Ausbruch war vor 110 Jahren. Als wir ihn vor 25 Jahren bei unserem Flug zur Nachbarinsel La Palma das erste Mal zu Gesicht bekamen, war seine Spitze noch mit einer in der Sonne glänzenden Eiskappe bedeckt. Hin und wider ist er heute auch mal mit Schnee bepudert, aber das Eis ist lange verschwunden - Zeichen der derzeitigen Klimaveränderung.
Eine Höhenstraße zieht sich von Nordost nach Südwest über die Insel und durch die Kraterlandschaft der Cañadas, erreichbar über nur wenige extrem kurvenreiche Zufahrten und ein Muss für jeden Touristen. Für uns also auch eine der ersten Touren mit dem Mietwagen, den wir für die ersten beiden Wochen geordert hatten.

Ausflug zur Basilika von Candelaria
Candelaria ist eine Stadt an der Ostküste Teneriffas mit 27.000 Einwohnern, einige Kilometer südlich der Inselhauptstadt. Ihre Entwicklung geht darauf zurück, dass vor 600 Jahren etwas in ihre kleine Bucht angeschwemmt wurde, das wie eine Heiligenfigur aussah, in eine Höhle dieser Bucht gebracht wurde und fortan als besondere Erscheinung veehrt wurde. Als Gnadenbild der Jungfrau von Candelaria in einer eigens dafür errichteten Kapelle ins rechte Licht gerückt, wurde eine Wallfahrtsstätte für die ansonsten an Heiligen recht arme Insel daraus. Die an gleicher Stelle errichtete Basílica de Nuestra Señora de Candelaria ist heute das bedeutendste Heiligtum aller Kanareninseln.


Von der alten Hauptstadt zum Anaga-Gebirge im Inselnorden
Santa Cruz de Tenerife, die Hauptstadt Teneriffas, ist mit der alten Hauptstadt San Cristobal de La Laguna zusammen gewachsen. In beiden zusammen wohnen mit rund einer halben Million mehr als die Hälfte der Einwohner der Insel. Entsprechend ist die Verkehrsdichte und es macht wenig Vergnügen, insbesondere in der mitten in einer fruchtbaren Hochebene liegenden Universitätsstadt La Laguna zu navigieren und einen Parkplatz zu suchen. In der Hoffnung, frischen Fisch zu bekommen, steuern wir die Markthalle an. Das Angebot ist zwar ernüchternd, aber eine schöne Dickkopfzahnbrasse für die abendliche Bratpfanne bekommen wir doch.
Von der Markthalle führt die Straße geradewegs nach Norden aus der Stadt hinaus zum Fuß des Anaga-Gebirges mit seinen dichten Lorbeerwäldern. Die Straßen durch das Anaga-Gebirge sind eng, extrem kurvenreich und führen zu verschiedenen abgelegenen kleinen Ansiedlungen. Das gesamte Gebiet ist ein Eldorado für Bergwanderer, kommt für uns allerdings als solches leider nicht mehr in Betracht. Die Fahrt allein aber ist schon ein Genuss, denn auf der Höhenstraße über den Gebirgsgrat des Anaga von Las Mercedes bis zum kleinen Dörfchen Chamorga ergeben sich phantastische Ausblicke.


Rund um die Insel
Teneriffa ist die größte der Kanarischen Inseln - einmal ringsherum zu fahren, schafft man leicht in einem Tag, es sind nur rund 200 Kilometer und man kann dabei sogar noch ein paarmal anhalten. Aber von allem Sehenswerten der Insel sieht man dabei natürlich nur Bruchteile. Von unserem Ausgangspunkt im kargen Südosten Teneriffas aus ergibt sich allerdings schnell mal eine ungewollte Inselrunde, wenn wir bestimmte Ziele auf der gegenüber liegenden Inselseite im Westen oder Norden ansteuern und für die Rückfahrt den schnelleren Weg über die Nord- bzw. die Südautobahn nutzen, die beide zusammen 2/3 der Inselrunde abdecken. Im Laufe unseres weiteren Aufenthaltes werden wir sicher automatisch noch ein paar Runden drehen.
In den ersten Tagen hatten wir gleich unser beabsichtigtes "Schockprogramm" absolviert, eine Fahrt durch die südwestlichen touristischen Ballungszentren von Los Christianos und Las Americas. Dabei haben wir gegenüber unseren Erinnerungen aus unserer Gomera-Reise vor 22 Jahren, als wir hier zwangsweise zwei Nächte zubringen mussten, eher noch eine größere Abneigung gegenüber diesen Ferienorten verspürt. Selbst weiter an der Südwestküste entlang bis Los Gigantes gab es für uns keinen erstrebenswerten Ferienort - zum Glück sind die Geschmäcker der Menschen verschieden.
Für unsere zweite Inselrunde sind wir gleich auf der Südautobahn und ihrer Schnellstraßenverlängerung bis Santiago del Teide durchgebraust. Tagesziel war dieses Mal das Teno-Gebirge im Nordwesten Teneriffas, speziell der Nervenkitzel einer Fahrt von Santiago hinunter in das kleine Dörfchen Masca. Die Masca-Schlucht ist ein hervorragendes Wandergebiet - für uns und unser "zartes" Alter allerdings eine Nummer zu groß. Aber die Fahrt auf der extrem kurvenreichen und engen Straße nach Masca und weiter nach Buenavista del Norte ist allein schon lohnend und Abenteuer genug.
Bei der entspannten Weiterfahrt an der Nordküste ergab sich noch genügend Zeit für eine Besichtigung der historischen Altstadt von La Orotava. Hier residierte einst der Adel und das wohlhabende Bürgertum der Insel. Entsprechend prächtig sind die Kirchen, Gärten und alten Paläste.
Von Orotava sind wir über die Autobahn recht schnell zurück nach Porís gekommen.


Carnaval in Santa Cruz
Mit dem Deutschen Karneval hat der Carnaval Santa Cruz de Tenerife nur so viel gemeinsam, dass seine Vorbereitung ungeheuer Aufwändig ist. Man behauptet, das der Karneval von Teneriffa nach dem von Rio de Janeiro der zweitgrößte der Welt wäre - in jedem Fall bedeutet er den jährlichen Ausnahmezustand für die Insel. Das gesamte Jahr über haben die Beteiligten geschraubt, gemalt, geschneidert und geprobt. Nun im Februar ist für die Insulaner der Höhepunkt des Jahres angebrochen. In den Touristengebieten Teneriffas mag man davon nicht so viel mitbekommen, in Poris de Abona schon gar nicht. Wir sind also, um wenigstens einen Eindruck zu bekommen, mit dem Bus am Karnevalssdienstag nach Santa Cruz gefahren, um uns wenigstens den nachmittäglichen Corso anzuschauen.



Das Karnevalstreiben beschäftigt Teneriffa noch bis tief in den März hinein, aber dann geht die Vorbereitung der nächsten Saison schon wieder los.
Wir warten unterdessen gespannt, ob sich die Calimasituation der letzten Tage nochmal wiederholt - es war jedenfalls ziemlich staubig, was da von der Sahara herüber wehte.
Spannend wird auch sein, inwieweit sich das Corona-Virus auf Teneriffa außer den vier Fällen in einer der Bettenburgen im Süden weiter ausbreitet.