USA 2014
Unser Reisetagebuch - Teil 5
Im zentralen Florida

07.03.2014
08.03.2014
09.03.2014
Das Wetter hat sich noch nicht gebessert, wir müssen weiter kräftig einheizen. Den aufgeweichten Platz, auf dem wir ohnehin schon einen Tag läger geblieben sind, wollen wir schon deshalb verlassen, weil für morgen purer Sonnenschein angedroht ist. Alle Akkus sind wieder aufgeladen, die Abwassertanks sind leer, so dass wir für die nächsten Tage autark sind und tiefer in den Ocala National Forest eindringen können. Nach entsprechender Frage im nahegelegenen Visitor Center am Parkeingang kam spontan die Empfehlung für die Hopkins Prairie Recreation Area mitten im riesigen Waldgebiet, auf der es einen naturbelassenen kleinen Campground gibt, der für größere "Schlachtschiffe" als unseres kaum infrage kommt.
Am Ende der 30 Meilen geht es über eine ungeteerte, aber gut befahrbare Forststraße und wir erreichen am frühen Nachmittag einen Campingplatz, wie er uns für unsere Reise immer vorschwebte: wenige, weit auseinanderliegende Campsites ohne jeglichen Komfort mit himmlischer Ruhe. Nur ein Viertel der 21 Sites ist belegt. Unmittelbar vorbei für der Florida National Scenic Trail durch den dichten Wald, auf dem wir uns gleich erstmal für eine Stunde die Füße vertreten.
Der nächste Tag bringt uns endlich den erhofften Sonnenschein. Wir haben für zwei Nächte jeweils $10 bezahlt und verlängern am sommerlichen Sonntag gleich noch um einen weiteren Tag. Wir fühlen uns wie in alte Campingzeiten zurück versetzt - etwas komfortabler ist´s natürlich schon.
Unsere Uhren haben wir schon wieder eine Stunde vorgestellt - ab heute gilt in den USA die Sommerzeit.
10.03.2014 Am Vormittag setzen wir um zur Alexander Springs Recreation Area im Südwesten des Ocala National Forest, weil wir dort einen natürlichen Pool vorfinden werden, der von einer artesischen Quelle gespeist wird. Jeden Tag fördert Alexander Springs an die 250.000 m³ kristallklares Wasser an die Oberfläche, das über den gleichnamigen flachen River gemächlich abfließt. Am Nachmittag mieten wir uns ein Kanu und machen eine traumhaft schöne Tour auf dem Fluss. Natürlich sind wir gespannt, ob wir vom Wasser aus mehr Getier sehen als von Land und werden nicht enttäuscht.
Der Campground von Alexander Springs gefällt uns recht gut, trotzdem fahren wir morgen weiter.
11.03.2014 Infolge der seit Sonntag geltenden Sommerzeit wird es erst halb acht hell und durch den sternenklaren Himmel ist es am Morgen noch ziemlich kühl. Aber die Sonne wärmt die Luft schnell auf, so dass wir sie bis Mittag noch voll genießen, ehe wir aus dem großen Wald nach Süden hinaus in die internetfüllige Zivilisation fahren. Für das Beantworten aufgelaufener Mails beim schon fast obligatorischen McDonald-Kaffee (schmeckt gar nicht so fürchterlich wie vermutet) und das Aktualisieren unseres Blogs nehmen wir uns viel Zeit und fahren dann gemächlich gen Westen. Das Interessanteste an diesem Tag erleben wir, als wir an weit ausgedehnten Wohnsiedlungen betuchter amerikanischer Senioren vorbei fahren und einen flüchtigen Einblick in deren Lebensweise bekommen. Bezeichnenderweise nennt sich die riesige erschlossene Fläche "The Villages".
12.03.2014 Regen trommelt am Morgen auf das Dach des Campmobils. Wir sitzen drinnen trocken und warm und haben viel Zeit für ein gemütliches Frühstück. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Walmart in Bushnell an der I75 ist ein großer Mc Donald, dessen WiFi wir sodann ausgiebig nutzen. Gegen Mittag hört der Regen auf und wir rollen weiter gen Westen bis zur Golfküste. Den Nachmittag verbringen wir bei bestem Sonnenschein am weißen Sandstrand auf dem kleinen Pine Island und zum Abend suchen wir den großen Parkplatz vom Walmart in Hudson auf, auf dem wir in unserer rollenden Suite nach ein paar Einkäufen fürstlich speisen.
13.03.2014
14.03.2014
Der kräftige, kalte Wind vom Golf hat die Morgentemperaturen auf unter 10 Grad fallen lssen und bevor wir unsere Behausung einheizen, fahren wir sie lieber bis zum nächsten größeren Parkplatz warm und frühstücken dort, wo wir auch gleich den nächsten Internetzugang finden. Heute wollen wir eine ausgesprochene Sightseeingtour durch die Metropolregion von St. Petersburg und Tampa unternehmen, wobei wir davon ausgehen, dass wir mit unserem großen Gefährt unterwegs kaum Möglichkeiten zum Parken finden werden.
Auf schmaler Küstenstraße weichen wir dem dichten, stockenden Verkehr auf der Hauptstraße US 19 aus und kommen als erstes nach Tarpon Springs, berühmt geworden durch die Schwammtaucherei vor hundert Jahren durch griechische Einwanderer. Am Hafen kaufen wir uns ein Pfund frische Scallops fürs Abendessen und fahren als nächstes durch den enorm aufgemotzten Badeort Clearwater, immer unmittelbar an der dicht bebauten Küste entlang bis ans Südende von St. Petersburg. Über viele Meilen gibt es nur Hotels, Appartements und Ferienhäuser. Auch die gemütliche Downtown von St. Petersburg strahlt viel mehr Ruhe und Lebensqualität aus, als das geschäftigere Tampa, das wir über eine der drei langen Brücken über die Tampa Bay erreichen. Als eingespieltes Team kommen wir mit Konzentration, aber ohne Schwierigkeiten durch Tampas Straßengewirr. Natürlich hätten wir auch die Autobahn durch die Stadt nehmen können. Wollten wir aber nicht. Am späten Nachmittag fahren wir noch ein Stück nach Süden. Die nur leise in Butter angebratenen Jakobsmuscheln schmecken uns köstlich.
Am nächsten Morgen wieder purer Sonnenschein. Wir lassen uns viel Zeit und besuchen zunächst die Gambler Plantation, ein Überbleibsel aus der Zeit des Zuckerrohranbaus und der Sklaverei. Dann wollen wir in den Little Manatee River State Park. Weil der dortige Campingplatz total voll ist und auch keine Aussicht auf einen freien Platz besteht, versuchen wir es noch ebenso ergebnislos bei einem einfachen privaten Campground am gleichen Fluss. Die Nachfrage nach einer freien Campsite beim Lake Manatee State Park ist ebenso erfolglos. Bei anderen für uns uninteressanten privaten Camps, die im übrigen ebenso voll aussehen, versuchen wir es gar nicht mehr, weil wir für den Abend ja noch ein Walmart-Supercenter als Übernachtungsreserve haben. Den Weg zu den im Reiseführer beschriebenen Madira Bickel Mounds, einer Wohn- und Begräbnisstätte von Indianern, die hier schon vor über 2000 Jahren elebt haben sollen, finden wir schnell, sind aber absolut enttäuscht von dem einzigen, nahezu zugewachsenen Wohnhügel der alten Ureinwohner. Den Nachmittag verbringen wir an der sonnigen Terra Ceia Bay.
15.03.2014 Heute wollen wir das tolle Wetter nutzen, um noch einmal zum südlichen Zipfel von St.Petersburg hinüber zu fahren - dieses Mal auf kurzem Weg über die phantastische Sunshine Skyway Bridge, die in kühnem Schwung bis zu einer Fahrbahnhöhe von 54 Metern die Tampa Bay überquert. Auf der anderen Seite der Brücke biegen wir nach Süden ab und gelangen über die Inselgruppe von Tierra Verde bis zum herrlichen Fort de Soto Park mit seinen schönen Sandstränden. Auch hier fragen wir auf einem schön gelegenen Campingplatz nach einem freien Platz. Es ist Wochendende - keine Chance. Aber für uns kein Problem, weil wir dann schon am Abend auf gleichem Weg zurück fahren, was wir ohnehin am nächsten Tag getan hätten. Wir genießen einen herrlichen sonnigen Tag in dem Naturpark.
Auf dem Rückwegzum Walmart von Palmetto bleiben wir noch auf einem der Rastplätze bei der imposanten Skyway Bridge. Das abendliche Dinner nehmen wir kurz vor Sonnenuntergang bei offenem Fenster. Von draußen dröhnt der satte Sound der Harleys herein - die Sunshine Skyway Bridge ist ein absolutes Muss für jeden Harley-Davidson-Fan.
16.03.2014 Sonntag und blauer Himmel. Alles strömt an die Strände. Wir auch. Im Pulk der vielen Autos bewegen wir uns von Bradenton schnurstracks westwärts bis Anna Maria, dem netten Urlauberdorf an der Nordspitze einer Reihe von Inseln, die sich nach Südosten bis Sarasota hinziehen und über Brücken miteinander verbunden sind. Der Wind bläst kräftig aus West, so dass wir es vorziehen, den schmalen Strand auf der Ostseite aufzusuchen. In der Ferne sehen wir die markante Silhouette der Sunshine Skyway Bridge. Es ist ein wunderschönes Fleckchen Florida, ganz nach unserem Geschmack. Auf der weiteren Fahrt über die Keys in Richtung Sarasota werden die Ferienhäuser und -anlagen mondäner und Sarasota empfängt uns schließlich als prächtige Stadt, die wir zum Abend hin kreuz und quer durchfahren. In der City ist an einen Parkplatz für unser Gefährt nicht zu denken, aber am nördlichen Rand der Downtown finden wir einen schönen Park, von dem aus wir die Skyline in Ruhe betrachten können.
17.03.2014
18.03.2014
19.03.2014
Der Montag beschert uns wieder mal Wolken. Wir fahren auf Umwegen in den Myakka River State Park und freuen uns, eine Campsite für zwei Nächte zu bekommen. Am Nachmittag kommen Gewitterschauer hinzu, am Abend und in der Nacht gießt es wie aus Kannen, aber es bleibt mit 24 Grad recht warm. Zeit zum Entspannen und Lesen. Und da wir auf dem Camp Strom externen Strom haben, schauen wir uns einen der mitgebrachten Filme an - schließlich haben wir Fernseher und DVD-Spieler an Bord.

Wie inzwischen schon mehrfach erlebt, scheint am nächsten Tag wieder die Sonne - eine gute Gelegenheit für eine mehrstündige Wanderung durch den wilden Park. Die Vegetation ist, je weiter wir nach Süden kommen, immer üppiger und dichter. Aber es gibt ein paar mögliche Wege, die wir gehen können, u.a. am Myakka River entlang. Und es gibt einen Canopy Walkway, der den Blick über die Baumwipfel erlaubt.

In der Nacht hatte es sich ziemlich abgekühlt, so dass wir am Morgen mal kurz einheizen. Auch der Mittwoch ist wieder sonnig und wir dehnen die Zeit im Myakka River SP noch bis zum Nachmittag aus, sehen am Lake Myakka wieder eine ganze Reihe von Aligatoren, Reihern, Geiern und Fischadlern. Am späten Nachmitttag verlassen wir den Park und fahren an die Golfküste nach Venice.
20.03.2014 Sonne mit ein paar Wölkchen am Donnerstag. Wir legen nochmal einen Strandnachmittag am Golf ein. Der Manasota Key von South Venice ist wiederum eine lange, schmale vorgelagerte Insel, links und rechts mit Ferienhäusern bebaut, nur an drei Stellen gelangt man überhaupt an den Strand. Entsprechend voll sind die jeweiligen Strandabschnitte. Wir müssten fünfhundert Meter laufen, um allein zu sein, aber wir verhalten uns wie die Amerikaner und nutzen bei dem heftigen Wind deren Windschatten.
Am Abend nutzen wir noch einmal einen Walmart-Parkplatz bei Port Charlotte. Morgen haben wir eine längere Tour vor bis mitten in die Everglades.

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© Horst Uhlemann